Unser Ehrenpräsident
Ein Leben mit der Luftfahrt
Ein Bericht von Helmut Hock
In der Geschichte der deutschen Luftfahrt gibt es Persönlichkeiten, deren Wirken weit über ihre aktive Dienstzeit hinausreicht. Wolfgang Weinreich gehört zweifellos zu ihnen. Sein Weg steht exemplarisch für jene Generation von Fliegern, die mit Disziplin, Können und Haltung das Fundament legten, auf dem unser heutiges Luftfahrtwesen ruht.
Vom Segelflugschüler zum Linienkapitän
Im Alter von 15 Jahren begann Wolfgang Weinreich 1952 in Mannheim seine Ausbildung zum Segelflugzeugführer. Mit dem Abitur in der Tasche trat er 1957 in den 6. Nachwuchsflugzeugführerlehrgang der Deutschen Lufthansa ein. Bereits 1959 schloss er die anspruchsvolle Ausbildung ab – ein früher Beleg für seine fliegerische Begabung und seine Zielstrebigkeit.
Parallel dazu widmete er sich weiter dem Segelflug und legte die Lehrberechtigungen für Segel- und Motorflug ab. Bis heute ist er als Fluglehrer aktiv – ein Zeichen seiner tiefen Verbundenheit zur fliegerischen Grundausbildung.
Seine Laufbahn bei der Lufthansa führte ihn zunächst als Copilot auf Convair 440, Vickers Viscount, Boeing 720 und Boeing 707 über die Kurz- und Langstrecke. 1966 folgte die Ernennung zum Kapitän auf der CV‑440, 1968 der Wechsel auf die Boeing 727. Von 1969 bis 1974 war er Kapitän auf der Boeing 707 und übernahm dann das Kommando auf der DC‑10. Auf all diesen Mustern war er als Ausbildungs-/ Checkkapitän tätig. Auf DC10 wurde er 1978 zum Ausbildungsleiter berufen - eine Aufgabe, die er mit großer Sorgfalt und pädagogischem Geschick erfüllte.
Mit der Umschulung auf die Boeing 747‑200 im Jahr 1982 begann ein neuer Abschnitt. Noch im selben Jahr wurde er Checkkapitän, von 1990 bis 1995 schließlich Flottenchef der B‑747‑200‑Flotte. Mit dem Ende dieser Tätigkeit endete auch sein aktiver Dienst bei der Lufthansa.
Doch der Abschied vom Liniencockpit bedeutete für ihn keineswegs den Abschied vom Fliegen: Bis 2002 stand er nach Zusatzausbildung als Kapitän auf der historischen Ju 52 im Einsatz – ein Privileg, das nur wenigen zuteil wurde.
Engagement für den Luftsport
Neben seiner Tätigkeit im Airline-Betrieb engagierte sich Wolfgang Weinreich über Jahrzehnte hinweg im Luftsport. Er war zweiter Vorsitzender des LSC Bad Homburg und ist Mitglied des Hanseatischen Fliegerclubs Frankfurt/Egelsbach – ein Umfeld, in dem fliegerische Tradition gleichermaßen gepflegt werden.
Führungsverantwortung in DAeC, EAS und FAI
1991 wurde er zum Vizepräsidenten des Deutschen Aero Clubs gewählt. Ab 1996 stand er dem Verband als Präsident vor. Sein Wirken hat den DAeC nachhaltig geprägt und modernisiert. Mit der Verleihung der DAeC-Ehrenpräsidentschaft bedankte sich der Deutsche Aeroclub bei Wolfgang Weinreich für seine Verdienste um die Förderung des Luftsports.
Auch international fand seine Kompetenz Anerkennung:
Wolfgang Weinreich war von 1995 bis 2000 Präsident von Europe Air Sports (EAS). Dies ist eine Organisation der Europäischen Aeroclubs, die sich bei der EU bei der Gestaltung der gemeinschaftlichen Luftfahrtgesetzgebung für die Allgemeine- und Sportluftfahrt einsetzt.
Im Jahre 2000 wählte ihn die FAI (Fédération Aéronautique Internationale) zum Präsidenten – als ersten und bislang einzigen Deutschen in diesem Amt. In dieser Funktion setzte er sich erfolgreich für die Grenzöffnung der Sportluftfahrt nach Polen ein. Diesem Modell folgten weitere osteuropäische Länder. Polen würdigte dies mit der Verleihung des "Pour le Mérite", der höchsten Ehrung des Landes für nichtpolnische Staatsbürger.
Von 2004 stand Wolfgang Weinreich 12 Jahre lang zudem der Traditionsgemeinschaft Alte Adler als Präsident vor und ist deren Ehrenpräsident.
Auszeichnung
Für seine Verdienste um Luftfahrt und Luftsport wurde Wolfgang Weinreich mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt – eine Auszeichnung, die sein Lebenswerk würdig unterstreicht.